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NRW verkauft Westspiel Spielbanken

NRW verkauft WestSpiel Spielbanken

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat den Weg für den Verkauf der landeseigenen Gesellschaft WestSpiel welche die vier Casinos des Bundeslandes betreibt trotz Protesten freigegeben. Das hat das NRW Kabinett am Dienstag den 8.Mai, 2018 auf Vorschlag des Finanzministeriums beschlossen. Betroffen von der Privatisierung sind die Spielbanken in Bad Qyenhausen, Aachen, Duisburg und Dortmund. Zudem soll auch die Spielbank in Bremen privatisiert werden.

Jetzt ist es also offiziell, die dem Land Nordrhein-Westfalen gehörende Westdeutsche Spielbanken GmbH & Co. KG (kurz: WestSpiel) soll verkauft und privatisiert werden. Schon seit Monaten gab es Berichte in den Medien, welche über diese Pläne der Landesregierung berichteten. Mit sechs Spielbanken und einer Million Besuchern jährlich ist die WestSpiel-Gruppe das führende Branchenunternehmen in Deutschland. Rund 1.000 Mitarbeiter sorgen für ein verantwortungsvolles Spielerlebnis, kulinarisches Vergnügen und spannende Events. Die Gruppe erzielte 2016 in Aachen, Bad Oeynhausen, Bremen, Bremerhaven, Dortmund-Hohensyburg und Duisburg einen Bruttospielertrag von rund 90 Millionen Euro und zahlte über die Spielbankabgabe rund 42 Millionen Euro an die öffentliche Landeskasse.

Westspiel Logo

Das war aber noch nicht genug, denn WestSpiel schrieb rote Zahlen, während die gesamte Glücksspielbranche einen Boom erlebt. Einer der Gründe ist sicherlich, dass viele Spieler in die Online Casinos abwandern. Dort gibt es nicht nur eine bessere Spieleauswahl, sondern vor allem auch um einiges höhere Auszahlungsquoten, und das Ganze am heimischen PC oder dem Handy.

Lutz Lienenkämper, Finanzminister erklärte, dass weder der Staat, noch eine Förderbank am Roulettetisch sitzen muss. Er bekräftigte, dass es eine europäische Ausschreibung geben soll. Allerdings müsse auch die Staatliche Aufsicht bei einer Privatisierung verstärkt werden um somit auch die Interessen der Mitarbeiter zu wahren. Des weiteres soll natürlich auch die Spielbankabgabe erhalten bleiben. Aus den Abgaben an das Land fließen etwa 10 Millionen Euro an die jeweiligen Standorte zurück, während der Rest der Einnahmen an die Stiftung Wohlfahrtspflege ginge. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet man mit über 20 Millionen Euro für die Stiftung.

WestSpiel macht jährlich Verluste

Die Spielbank Muttergesellschaft Westspiel, Herrin der vier NRW-Casinos, hat im Jahr 2016 knapp drei Millionen Euro Verlust eingefahren und dies obwohl man mit einer Million Besucher einen neuen Rekord erreichte. Bevor man jedoch die Casinos privatisieren kann müssen zuerst die entsprechenden Gesetze geändert werden. Wie lange sich dies hinziehen wird ist jedoch nicht weiter bekannt.

Lienenkämper nannte mehrere politische Voraussetzungen für den Verkauf. Besonders am Herzen lag ihm, dass die Westspiel-Gesellschaft solle „als Ganzes“ verkauft werden soll. Aber so ganz „Ganz“ dann aber doch wieder nicht. WestSpiel besitzt nämlich eine Kunstsammlung von über 200 Kunstwerken, darunter zehn „Marilyn Monroe“-Siebdrucke auf Papier von Warhol, ein Nagelrelief von Günther Uecker, Arbeiten von Otto Piene, Salvador Dalí, Fernando Botero oder Robert Indiana.

WestSpiel - Marilyn Monroe-Warhol

Die Kunstwerke waren auch für Betriebsratsvorsitzenden Dieter Schneiders, seinen Stellvertreter Dietmar Jeschke und dem Betriebsrat Jens Hashagen ein Stein des Anstoßes. Bei allen Debatten im Landtag sei es um die Kunstwerke in den Casinos gegangen. Da hieß es, die sei sicher, aber die Fragen zu den Mitarbeitern sind nicht beantwortet worden.

Die Kunstwerke von WestSpiel waren schon im Jahr 2014 in den Schlagzeilen. Damals wurden zwei Andy Warhol Siebdrucke, welche ursprünglich im Aachener Casino zu bewundern waren in New York für etwa 120 Millionen Euro versteigert. Die Folge waren große Proteste der bundesweiten Kunstszene, die sich jedoch in einem aussichtslosen Kampf machtlos gegen die Versteigerungen wehrten, denn die alleinige Gesellschafterin von WestSpiel ist die landeseigene NRW Bank.

WestSpiel Mitarbeiter fürchten um Arbeitsplatz

Rund 1000 Mitarbeiter der landeseigenen Spielbanken blicken seit Bekanntwerden der Privatisierungspläne der schwarz-gelben Landesregierung einer ungewissen Zukunft entgegen. Gut 100 Mitarbeiter der Spielbank Hohensyburg haben ihrem Ärger am Montag den 07.Mai 2018 Luft gemacht. Vor der Dortmunder CDU-Zentrale demonstrierten sie gegen die Pläne der Landesregierung, die Casinos zu verkaufen. Auch in Aachen und Duisburg gingen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Straße. Sie fürchten Arbeitsplatzverlust und schlechtere Bezahlung. Auch gut 120 Beschäftigte der Spielbank Aachen, protestierten am vergangenen Montag mit einer Mahnwache vor der CDU-Zentrale an der Martinstraße gegen den geplanten Verkauf der Westspiel-Gesellschaft.

Stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Jeschke gibt sich keinen Illusionen hin. „Private sind nur gewinnorientiert. Nach dem Verkauf und nach Ablauf eines einjährigen Bestandsschutzes werde es Einkommenseinbußen und Arbeitsplatzabbau geben.“
Gegen die Privatisierung der Spielbanken spricht aus der Sicht seines Kollegen Schneider aber auch der ordnungspolitische Auftrag und der Spielerschutz, der nirgendwo sonst so ernst genommen werde wie an staatlichen Spielbanken. Eigens geschulte Spielerschutzbeauftragte nehmen demnach auffällige Spieler in den Blick und bieten ihnen auch Hilfe an. So etwas gäbe es in privaten Spielbetrieben nicht, fügte Schneiders hinzu.

Der Zeitpunkt sei clever gewählt, glauben die Betriebsräte. Der richtig große Boom stehe den Spielbanken noch bevor. Da neue Richtlinien das Geschäft mit Geldspielgeräten in Spielhallen unattraktiver machen, werde es die Freunde des Glücksspiels wieder verstärkt in die klassischen Spielbanken und natürlich die Online Casinos treiben, sind auch Schneiders und Jeschke überzeugt.

Gauselmann Gruppe als Interessent im Gespräch

In Spielbanken-Kreisen kursieren seit langem die unterschiedlichsten Zeitungsbeiträge und Berichte von Lobby-Control über die engen Verbindungen der Spielhallen-Größe Paul Gauselmann zur FDP. Die Gauselmann-Gruppe betreibt unter anderem die Merkur-Spielotheken und wird als potenzieller Kaufinteressent von WestSpiel gehandelt. Sie habe mit jahrelangen Spendenzahlungen und intensiver Lobbyarbeit die Privatisierung vorbereitet, sind viele Spielbank-Beschäftigte überzeugt.Online Casinos in Deutschland ohne Merkur Spiele

Da die Gauselmann Gruppe, wie deren österreichische Konkurrenten von Novomatic, erst im Dezember 2017 ihre Online Spielautomaten aus den virtuellen Spielbanken herausgenommen haben, wären die WestSpiel Casinos sicherlich eine interessante Investition. Allerdings will das Land NRW nicht auf die Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe verzichten und die Spielbankabgabe beibehalten. Natürlich wird sich kein Privatunternehmen finden, welches alle Kosten übernimmt und für den Staat arbeitet nur um dabei Verluste zu machen. Die Betriebsräte von WestSpiel erklärten jedoch, dass man ordentliche Gewinne schreiben würde, wenn die Spielbanken wie normale Unternehmen besteuert würden. Alle Casinos von WestSpiel seien im Kern sehr gesund. Genau hier denkt man, dass die Lobbyisten der Gauselmann Gruppe die Vorarbeit geleistet hätten, dass die Gesetzesänderungen, welche noch nötig sind um WestSpiel zu privatisieren in die richtigen Bahnen gelenkt werden.

Dass in der privaten Wirtschaft ein stärkerer Wind weht sollte jedem Mitarbeiter klar sein. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass sich bei den erhöhten Anforderungen auch die Spreu vom Weizen trennt. Zielorientierte und engagierte Mitarbeiter werden sicherlich nicht um ihren Arbeitsplatz oder Einbußen bei einer Privatisierung fürchten müssen. In Österreich zum Beispiel wurde die Firma Novomatic in einer anonymen Umfrage des Wirtschaftsmagazins zum viertbesten Arbeitgeber des Landes in der Kategorie Dienstleistungen gewählt. Vielleicht sollten die Mitarbeiter und der Betriebsrat von WestSpiel die Privatisierung als Chance für eine bessere Zukunft sehen und sich nicht von Grund auf querstellen.