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Matchabsprachen beim Tennis – Ein neuer Wettskandal

Matchabsprachen beim Tennis – Ein neuer Wettskandal?

Der Fußball Wettskandal von 2005 bei dem unter anderen der Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer überführt wurde Spiele so beeinflusst zu haben, dass ein Ergebnis herbeigeführt wurde, auf das meist ausländische Auftraggeber vorher gewettet hatten. Jetzt bahnt sich ein noch größerer internationaler Wettskandal im Tennis an bei dem es um ganz andere Summen geht. Das „Independent Review Panel“ (IRP) spricht in einem kürzlich veröffentlichen Zwischenbericht von einem „Tsunami“ von Spielmanipulationen welche hauptsächlich die Turniere auf unterer Ebene betreffen.

Eine im Januar 2016 gegründete Untersuchungskommission ging den Anzeichen der Matchmanipulationen nach, befragte mehr als 100 Spieler und über 3.200 Fachleute. Das schockierende Ergebnis ist, dass 464 der Befragten zugaben aus erster Hand über die Spielabsprachen Bescheid zu wissen.

Keine Spitzenspieler bei den Matchmanipulationen

Wie die Untersuchung zeigt, handelt es sich bei den betroffenen Spielen um mittlere und niedere Turniere. ATP und WTA Turniere tauchen in dem Bericht nicht als Betroffene auf. Besonders bei den unterklassigen Turnieren der ITF soll es bei den Herren auffällig viele Hinweise auf manipulierte Spiele gegeben haben.

Erkenntnisse aus dem Bericht des Independent Review Panels

Unter der Leitung von Adam Lewis wurde das Panel im Januar 2016 eingerichtet, nachdem eine Untersuchung von BBC und BuzzFeed News mutmaßliche illegale Wetten aufgedeckt hatte. Das IRP fand ein „sehr signifikantes“ Korruptionsproblem bei „unteren und mittleren Ebenen des Sports“, das Lewis als „fruchtbaren Nährboden für Integritätsbrüche“ bezeichnete. Er sagte auch, dass Männerspiele von 2009 bis 2017 für 83% der Warnungen vor verdächtigen Spielen verantwortlich waren.

Matchabsprachen beim Tennis - Sportwetten Skandal

Der Bericht zeigt auch „Beweise für einige Probleme“ auf höheren Ebenen, wie Grand Slams und Tour-Veranstaltungen, aber die Beweise zeigen kein „weit verbreitetes Problem“ im professionellen Elite-Tennis. Auf die Frage, ob Tennisfans bei großen Turnieren daran glauben könnten, dass alles mit legalen Mittel zugeht antwortete Lewis: „Ja, die Daten zeigen, dass es wenig Anreiz gibt, Integrität zu verletzen, daher ist es unwahrscheinlich, dass Sie Spielabsprachen sehen werden.“

„Ein fruchtbarer Nährboden“ für Spielmanipulationen

Im Laufe seiner Untersuchung wurde dem Panel von einem Wettanbieter erklärt, dass die Situation im Tennis „schlimmer als schlimm“ sei. Lewis behauptete, dass die verdächtigen Matches eher beim niedrigeren Tennisniveaus geeignet seien, wo eine Mischung von Faktoren zusammenkäme, um „einen fruchtbaren Nährboden“ zu schaffen. Zu den wichtigsten Motivationsgründen für Spielabsprachen zählen die Anzahl der Spieler, die um ihren Lebensunterhalt kämpfen müssen.

„Nur die besten 250 Frauen und 350 männlichen Spieler verdienen genug Geld, um vor den Coaching-Kosten die Gewinnschwelle zu erreichen, doch es gibt 15.000 nominell professionelle Spieler“, sagte Lewis. „Es ist ein kleiner Schritt für einen Spieler ein Match in einem niederen Turnier zu verlieren und damit mehr Geld zu verdienen als wenn er sich noch ein paar weitere Tage durch das Turnier kämpft und dennoch weniger Matchprämie erhält als im von einem Vermittler für eine Niederlage angeboten wird.

Lewis führte weiterhin aus, dass die Anzahl der Warnungen für verdächtige Spiele von drei im Jahr 2012 – dem Jahr, in dem die ITF begonnen hat Live-Scoring-Daten verkauft – auf 240 verdächtige Spiele im Jahr 2016 angestiegen ist.

Buchmacher zahlen Millionen um Geld zu machen

Eines der Probleme ist der Millionendeal mit dem Verkauf von Live-Daten, welcher den Tennisverbänden in 5 Jahren über 70 Millionen Euro in die Kasse in die Kassen gespült hat. Für den riesigen Markt der Sportwetten standen alleine im Tennis im Jahr 2016 über 60.000 Spiele in den Live-Datenbanken zur Verfügung. Das sind etwa 20.000 mehr als noch im Jahr 2014. Viele der Sportwettenanbieter bieten Livewetten an bei denen die Quoten auch während der Spiele im Sekundenrhythmus angepasst werden. Viele Turniere werden von Buchmachern als Werbepartner unterstützt. Von Seiten der Tennisverbände ist man auf die Einnahmen angewiesen und befindet sich somit in einer Zwickmühle.

Vorschläge gegen die Matchabsprachen im Tennis

ITF LogoEiner der Vorschläge ist auf die Livedaten-Übertragungen im Pro-Circuit und auf ITF-Ebene einzustellen. Da dieses Problem aber bei den meisten verdächtigen Fällen in den untersten Ebenen der Tennisszene vorkommt, ist dieser Vorschlag mit Vorsicht zu genießen.

Das Gremium empfahl des Weitere, dass die International Tennis Federation ihren fortlaufenden Deal mit der Schweizer Firma Sportradar beendet, zumindest was die niedrigste Stufe des professionellen Tennis betrifft.

Die Fünf-Jahres-Vereinbarung über 70 Millionen US-Dollar, die 2015 unterzeichnet wurde, umfasst ITF-Veranstaltungen, die vom Davis Cup, einem Mannschaftsmannschafts-Tennisturnier, bis zu Futures-Turnieren reichen, der niedrigsten Stufe auf der professionellen Tennis-Leiter für Männer.

Die Ausweitung der Rechte auf Live-Daten auf die niedrigsten und am stärksten gefährdeten Wettbewerbsebenen habe Korruption angeheizt, so der Bericht, und fügte hinzu, dass die Risiken des Geschäfts nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.

Die Auflösung des Datenabkommens war die erste der 12 Empfehlungen des Berichts.“Die Einstellung des Verkaufs offizieller Daten auf diesen untersten Ebenen des Tennis ist ein notwendiger, pragmatischer und effektiver Ansatz, um wettenbezogene Integritätsverletzungen einzudämmen„, heißt es in dem Bericht.

Das Gremium empfahl jedoch nicht, Daten auf der nächsten Stufe der Veranstaltungen für Männer, der ATP-Challenger-Tour, einzuschränken, wo die Rate verdächtiger Match-Berichte mehr als doppelt so hoch ist wie auf der Futures-Ebene. Die Datenrechte für diese Tour liegen bei IMG, der Sport- und Entertainment-Management-Firma. Live-Daten von diesen Turnieren können von Glücksspielseiten verwendet werden, insbesondere für Wetten, die an Elementen eines Spiels im Verlauf des Spiels vorgenommen werden können.

Während diese Deals beträchtliche Mittel für den Sport generiert haben, haben sie auch die verfügbaren Märkte für Wetten auf den niedrigsten Ebenen des professionellen Tennis stark erweitert“, sagten die Verantwortlichen des Panels. „Die ITF hat die potenziellen nachteiligen Auswirkungen dieser Vereinbarungen vor ihrer Aufnahme nicht angemessen bewertet.“

Sportradar wehrt sich gegen eine Vertragsbeendung

Sportradar-Logo

Alex Inglot, ein Sprecher von Sportradar, nannte den Vorschlag, die Vereinbarung des Unternehmens mit der ITF für Datenrechte bei Futures-Veranstaltungen zu beenden „unrealistisch“, „potenziell rechtswidrig“ und „schwerfällig“.
Das Verbot von Datenpartnerschaften wird nicht unterbinden, auf diese Spiele live oder anderweitig zu wetten, noch wird es das Korruptionsrisiko auf dieser Ebene beseitigen. Wetten vor dem Spiel bleiben verfügbar, inoffizielle Daten werden gesammelt. Allgemein verfügbare Spielstatistiken können von Wettanbietern trotzdem verwendet werden, das Risiko von Datenbetrug und Geisterspielen wird zunehmen und es wird keine klare vertragliche Grundlage geben an welche die Betreiber gebunden sind. Dies wird mit ziemlicher Sicherheit Schwarzmarktaktivitäten fördern.

David Haggerty, Präsident der ITF erklärte, dass das Sportradar-Abkommen eine symbiotische Vereinbarung ist, welche hilft, die Wettmuster im Sport zu überwachen. Er argumentierte, dass es im gleichen Maße im Interesse der Wettunternehmen liegt, Korruption zu eliminieren, wie es im Interesse des Tennis ist.